Antwort
Die "Keine 10-Millionen-Schweiz!"-Initiative (25.026) wurde am 14. Juni 2026 national mit 45,2% Ja abgelehnt (Resultate ausgezählt, noch nicht erwahrt) — und die Ablehnung folgt einer einzigen, klaren Bruchlinie: der zwischen der dichten, internationalen Schweiz und dem dünn besiedelten, „einheimischen" Land.
Diese eine Grafik fasst die ganze Geschichte zusammen — Dichte und Ausländeranteil als Achsen, die Einwohnerzahl als Punktgrösse, das Abstimmungsverhalten als Farbe:
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In dieser Darstellung verläuft die Farbe diagonal von unten-links nach oben-rechts. Grüne Punkte (Ja-Mehrheit) sammeln sich unten links — dünn besiedelt und tiefer Ausländeranteil, das tiefländliche Milieu. Rote Punkte (Nein-Mehrheit) konzentrieren sich oben rechts — dicht und international. Und die grössten roten Punkte, die einwohnerstarken Kernstädte, sitzen genau im oberen, dichten, ausländerreichen Quadranten.
Die Bruchlinie in Zahlen
Zerlegt man die rund 2'088 Gemeinden mit vollständigen Daten nach ihrem Ausländeranteil, zeigt sich ein monotoner Abfall der Zustimmung:
| Ausländeranteil |
Ja-Anteil (einfach) |
Ja-Anteil (bevölkerungsgewichtet) |
| 0–10% |
59,1% |
58,7% |
| 10–14,5% |
54,6% |
53,2% |
| 14,5–19,5% |
52,6% |
51,6% |
| 19,5–27% |
49,8% |
43,9% |
| 27–62% |
47,4% |
39,9% |
Beide Strukturmerkmale hängen etwa gleich stark — und beide negativ — mit der Zustimmung zusammen: Die Korrelation zwischen Ausländeranteil und Ja beträgt −0,35, jene zwischen (log-)Dichte und Ja −0,36. Je höher der Ausländeranteil und je dichter besiedelt eine Gemeinde, desto weniger Zustimmung erhielt die Initiative, die das Bevölkerungswachstum begrenzen wollte.
Drei Lesarten
Wer Zuwanderung am stärksten „erlebt", lehnte die Bremse am deutlichsten ab. Gemeinden mit geringem Ausländeranteil — typischerweise ländlich — sagten mehrheitlich Ja. Gemeinden mit hohem Ausländeranteil — Städte und Agglomerationen — lehnten ab. Das Anliegen fand gerade dort am wenigsten Anklang, wo Zuwanderung am sichtbarsten ist.
Die Städte kippten das nationale Resultat. In den beiden obersten Ausländer-Quintilen liegt der bevölkerungsgewichtete Ja-Anteil deutlich unter dem einfachen Mittel (43,9% statt 49,8%, bzw. 39,9% statt 47,4%). Innerhalb der dichten, internationalen Gemeinden sind es also gerade die grössten — die Kernstädte —, die am klarsten Nein sagten. Diese Bevölkerungsmasse erklärt die Kluft zwischen Gemeinde- und Volksmehrheit: Der Median-Ja-Anteil über alle Gemeinden lag bei 52,8% — eine Mehrheit der Gemeinden sagte Ja —, doch national resultierten nur 45,2%, weil die grossen städtischen Nein-Blöcke mehr Stimmen auf die Waage bringen.
Dichte und Ausländeranteil sind zwei Seiten derselben Stadt-Land-Spaltung. Dass die Farbe in der Grafik sauber entlang der Diagonale kippt, ist der visuelle Beleg: Beide Achsen steigen gemeinsam an, und die Zustimmung fällt mit ihnen. Sie messen weitgehend dieselbe Trennlinie — urbane, dichte, internationale Schweiz gegen ländliche, dünn besiedelte „einheimische" Schweiz. Die Abweichungen von der Diagonale sind das eigentlich Aufschlussreiche: dünn besiedelte Gemeinden mit hohem Ausländeranteil (rechts unten — Tourismus- und Grenzgemeinden) tendieren eher ins Gelb-Rote, was darauf hindeutet, dass der Ausländeranteil auch unabhängig von der Dichte mit der Ablehnung einhergeht.
Ein wichtiger Vorbehalt
Diese Daten zeigen Gemeinde-Muster, keine Individuen. Dass ausländerreiche Gemeinden Nein sagten, heisst nicht, dass Ausländerinnen und Ausländer abgestimmt haben — sie sind grossteils nicht stimmberechtigt. Es sind die Schweizer Stimmberechtigten in diesen Gemeinden, die anders ticken als jene auf dem Land. Der Effekt ist ein Milieu-Effekt (urban-kosmopolitisch gegen ländlich), kein direkter „Betroffenheits"-Effekt der zugewanderten Personen selbst.
Die beiden ursprünglichen Streudiagramme — Ja-Anteil gegen Ausländeranteil und gegen Dichte — zeigen dieselben zwei Korrelationen aufgetrennt; die kombinierte Grafik oben legt sie übereinander und macht so sichtbar, dass es sich um eine einzige Bruchlinie handelt. Wer die beiden Variablen statistisch trennen will (welche unabhängig von der anderen die Zustimmung erklärt), bräuchte eine Regression mit beiden Prädiktoren — die rechne ich gern, wenn du möchtest.