Antwort
Ich schaue mir zuerst die Abstimmung vom letzten Sonntag an und hole die Gemeindedaten.
Die "Keine 10-Millionen-Schweiz!"-Initiative (vorlagenId 6860) wurde mit 45,2% Ja-Anteil abgelehnt. Jetzt hole ich die Gemeindedaten und prüfe die Tabellenstrukturen.
Jetzt verbinde ich die Gemeinderesultate der Initiative mit den Gemeindestatistiken.
2'088 Gemeinden mit vollständigen Daten. Bevor ich die Charts baue, prüfe ich noch die Korrelationen und Mediane für die Interpretation.
Ein klares Muster: Beide Korrelationen sind negativ (rund -0,35). Jetzt die beiden Streudiagramme.
Hier die beiden Streudiagramme zur "Keine 10-Millionen-Schweiz!"-Initiative (25.026), die am 14. Juni 2026 national mit 45,2% Ja abgelehnt wurde (Resultate ausgezählt, noch nicht erwahrt).
Graph 1 — Ja-Anteil vs. Ausländeranteil (Punktgrösse = Einwohnerzahl)
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Graph 2 — Ja-Anteil vs. Bevölkerungsdichte (log-Skala, Punktgrösse = Einwohnerzahl)
Die Dichte spannt von wenigen Einwohnern/km² bis über 10'000, deshalb eine logarithmische x-Achse — sonst klebt alles am linken Rand.
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Basis: 2'088 Gemeinden mit vollständigen Daten (Resultat + Einwohner + Ausländeranteil + Dichte).
Einsichten
1. Beide Zusammenhänge sind klar negativ — und etwa gleich stark. Die Korrelation zwischen Ausländeranteil und Ja-Stimmen beträgt −0,35, die zwischen (log-)Dichte und Ja −0,36. Das heisst: Je höher der Ausländeranteil und je dichter eine Gemeinde besiedelt ist, desto weniger Zustimmung erhielt die Initiative, die das Bevölkerungswachstum begrenzen wollte.
2. Die Pointe der Initiative — wer am meisten Zuwanderung „erlebt", lehnt die Bremse am stärksten ab. Über Quintile des Ausländeranteils sortiert:
| Ausländeranteil |
Ja-Anteil (einfach) |
Ja-Anteil (bevölkerungsgewichtet) |
| 0–10% |
59,1% |
58,7% |
| 10–14,5% |
54,6% |
53,2% |
| 14,5–19,5% |
52,6% |
51,6% |
| 19,5–27% |
49,8% |
43,9% |
| 27–62% |
47,4% |
39,9% |
Gemeinden mit geringem Ausländeranteil — typischerweise ländlich — sagten mehrheitlich Ja. Gemeinden mit hohem Ausländeranteil — Städte und Agglomerationen — lehnten ab. Genau dort, wo Zuwanderung sichtbar ist, fand das Anliegen am wenigsten Anklang.
3. Die Gewichtung verschärft das Bild — und erklärt, warum die Initiative scheiterte. In den beiden obersten Quintilen liegt der bevölkerungsgewichtete Ja-Anteil deutlich unter dem einfachen Mittel (43,9% vs. 49,8% bzw. 39,9% vs. 47,4%). Das bedeutet: Innerhalb der ausländerreichen, dichten Gemeinden sind es gerade die grössten (die Kernstädte), die am klarsten Nein sagten. Diese Bevölkerungsmasse kippte das nationale Resultat: Der Median-Ja-Anteil über alle Gemeinden lag bei 52,8% — eine Mehrheit der Gemeinden sagte Ja —, aber national resultierten nur 45,2%, weil die grossen städtischen Nein-Blöcke mehr Stimmen auf die Waage bringen.
4. Dichte und Ausländeranteil sind zwei Seiten derselben Stadt-Land-Spaltung. Beide Achsen erzählen im Kern dieselbe Geschichte — urbane, dichte, internationale Schweiz gegen ländliche, dünn besiedelte, „einheimische" Schweiz. Die ähnlich starken Korrelationen sind kein Zufall: Dichte und Ausländeranteil korrelieren selbst stark miteinander. Welche der beiden Variablen die „wahre" Ursache ist, lässt sich aus diesen zwei Streudiagrammen allein nicht trennen — sie messen weitgehend dieselbe Trennlinie.
Lesart-Warnung (ökologischer Fehlschluss): Diese Daten zeigen Gemeinde-Muster, keine Individuen. Dass ausländerreiche Gemeinden Nein sagten, heisst nicht, dass Ausländer abgestimmt haben (sie sind grossteils nicht stimmberechtigt). Es sind die Schweizer Stimmberechtigten in diesen Gemeinden, die anders ticken als jene auf dem Land — der Effekt ist ein Milieu-Effekt (urban/kosmopolitisch vs. ländlich), nicht ein direkter „Betroffenheits"-Effekt der zugewanderten Personen selbst.
Möchtest du das Ganze zusätzlich als Karte sehen, oder den Ausländer-/Dichte-Effekt statistisch trennen (z.B. partielle Korrelation oder eine Regression mit beiden Variablen)?