Antwort
Ich suche zuerst Michael Graber in der Mitgliederdatenbank.
Als Nächstes sehe ich mir an, welche Vorstösse Graber eingereicht hat.
Ich liste Grabers eigene Vorstösse (als Erstunterzeichner) auf.
Auffällig ist das Immunitätsgesuch 24.194. Ich schaue es mir an und prüfe parallel, wo Graber in Abstimmungen von der SVP-Fraktion abweicht.
Graber weicht nur selten ab. Ich sehe mir die deutlichsten Abweichungen von der SVP-Fraktion an.
Graber stimmt bei den Tierschutz-Initiativen anders als die SVP. Ich suche nach seiner Begründung.
Ich prüfe Grabers Stimmverhalten bei den Klima- und Energievorlagen, zu denen er am meisten gesprochen hat.
Michael Graber (SVP, Wallis, Jahrgang 1981) ist Rechtsanwalt und Notar. Er sitzt im Nationalrat und gehört zum Kern der SVP-Fraktion. Dass er für den Bundesrat kandidiert, kann ich mit den Parlamentsdaten nicht belegen. Dazu enthält die Datenbank nichts. Die folgenden Angaben stammen aus seinen Vorstössen, seinen Kommissionssitzen und seinem Abstimmungsverhalten.
Profil
- Michael Graber rückte im Mai 2021 in den Nationalrat nach und wurde im Oktober 2023 wiedergewählt.
- Er sitzt seit 2021 in der Umweltkommission (UREK-N). Seit Dezember 2024 gehört er auch der Gesundheitskommission (SGK-N) an. Seit Oktober 2026 ist er Mitglied von deren Subkommission Cannabisregulierung.
- Zu seinen deklarierten Interessen zählen ein bezahltes Beiratsmandat bei der «Groupe de réflexion Groupe Mutuel», ein bezahltes Mandat bei der FernUni Schweiz und das unbezahlte Amt im Schwingklub Oberwallis.
- Das Parlament hat 2024 über ein Gesuch zur Aufhebung seiner Immunität beraten (24.194, Ende Februar 2025 erledigt). Die Datenbank nennt weder den Anlass noch den Ausgang.
Wofür er sich einsetzt
Er reicht viele Vorstösse ein und äussert sich oft in Debatten. Vier Schwerpunkte zeigen sich:
- Gesundheit und Sozialversicherungen: Er reichte Interpellationen zu den ambulanten Arzttarifen (25.4816, 25.4837), zur Nuklearmedizin (25.4090) und zur Mammografie (26.3870) ein. Dazu kamen Fragen zur Ausbildung von Fachärzten und zu ausländischen Ärzten.
- Migration und Sozialstaat: Er verlangt eingeschränkte medizinische Leistungen für Asylbewerber und Illegale (25.422, 26.3874). Zudem will er den «Pull-Effekt» für Illegale in der Sozialversicherung abschaffen (25.423).
- Bauen, Raumplanung und Eigentum: Seine Vorstösse betreffen das Zweitwohnungsgesetz, altrechtliche Hotels, Bauten ausserhalb der Bauzone (21.4351) und neu einen Straftatbestand bei Baueinsprachen (26.470). Bei den meisten seiner Debattenbeiträge ging es um die Raumplanungsrevision (18.077).
- Energie, Klima und Walliser Anliegen: Am häufigsten sprach er zum indirekten Gegenentwurf zur Gletscher-Initiative (21.501, 17 Beiträge). Es folgten die Stromversorgung (21.047) und der Beschleunigungserlass (23.051). Dazu kommen Wolf-Vorstösse, die Umnutzung des Lötschbergtunnels (22.4023) und service-public-Themen wie die B-Post (22.3948).
Wo er mit der SVP bricht
Er bricht selten mit der Fraktion. In 7050 Abstimmungen, bei denen er Ja oder Nein stimmte, stand er 165-mal (2,3 Prozent) gegen die Mehrheit der übrigen SVP-Fraktion. In 95 Fällen war die Gegenmehrheit mindestens dreimal so gross wie die eigene Seite. Die Bilanz zur Klimapolitik entspricht dem Fraktionskurs, soweit ich sie geprüft habe: Er lehnte die Gletscher-Initiative und das CO2-Gesetz ab.
Die auffälligsten Abweichungen:
- Regionale Interessen: Beim Autoverlad am Lötschberg stimmte er den Solidarbürgschaften (23.477) in der Schlussabstimmung vom 19.12.2025 zu. Die Fraktion lehnte sie mit 62 zu 2 ab. Auch bei der Belebung der Bundesterrasse (24.3588) stimmte er Ja, die Fraktion mit 60 zu 2 Nein. Gegen die Regionalpolitik-Kredite im Budget 2024 stimmte er, während die Fraktion geschlossen dafür war.
- Tierschutz: In den Schlussabstimmungen vom 2. Oktober 2026 sagte er Nein zur Stopfleber-Initiative und zur Pelz-Initiative. Die SVP-Fraktion stimmte dort mit 59 und 57 Ja-Stimmen zu.
- Wirtschaftsliberale Linie: Das Investitionsprüfgesetz lehnte er in der Schlussabstimmung vom 19.12.2025 ab, die Fraktion stimmte mit 61 zu 3 dafür. Auch gegen Teile der Stromnetz-Beschleunigung (25.057) stimmte er, obwohl die Fraktion klar dafür war.
Die Abweichungen folgen also keinem einheitlichen Muster. Sie ergeben eher ein regional-föderalistisches und wirtschaftsliberales Profil, das staatliche Eingriffe wie Importverbote und Investitionskontrollen ablehnt.
Was die Daten nicht zeigen
Begründungen für diese Abweichungen habe ich in den Debattenbeiträgen nicht gefunden. Zu Stopfleber und Investitionsprüfung liegt kein Beitrag von ihm vor. Die Zählung vergleicht ihn mit der Mehrheit der übrigen SVP-Fraktion und enthält auch Teilabstimmungen. Eine Einschätzung seiner Wahlchancen kann ich daraus nicht ableiten.