Antwort
Ich suche zuerst die Person in der Datenbank.
Ich prüfe die Tabellenstruktur, um ihre Vorstösse abzufragen.
Ich prüfe nun ihre Erfolgsquote bei Vorstössen und ihre Positionen zu EU, Neutralität und Sozialversicherungen.
Céline Amaudruz (SVP, Genf, geboren 1979) ist eine wirtschafts- und finanzmarktnahe SVP-Politikerin mit einem zweiten Schwerpunkt bei Gewalt gegen Frauen und Opferschutz. Ob sie als Bundesrätin gehandelt wird, lässt sich mit den Parlamentsdaten nicht prüfen. Das Briefing stützt sich auf ihre Vorstösse, Kommissionsarbeit und Voten in der laufenden Legislatur. Es ist deshalb eine Auswertung ihres parlamentarischen Profils und keine Einschätzung ihrer Wahlchancen.
Profil
- Céline Amaudruz sitzt seit Dezember 2011 im Nationalrat und wurde 2023 zum vierten Mal gewählt.
- Sie ist Mitglied der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-N) und der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK-N). Die SGK-N präsidierte sie 2023. Dazu kommt die Cannabisregulierungs-Kommission. Im Europarat ist sie Stellvertreterin der Delegation.
- Beruflich war sie Vermögensverwalterin bei Reyl & Cie SA; dieses Mandat ist bis 30.09.2026 eingetragen.
- Als Interessenbindungen sind Verwaltungsratsmandate bei der Groupe Minoteries SA und der Infracore SA sowie Funktionen bei Fical SA und beim Flughafen Genf (Aéroport international de Genève) deklariert.
Prioritäten nach Vorstössen
Die Datenbank zeigt für sie 157 Vorstösse als Erstunterzeichnerin: 85 Fragen, 31 Motionen, 19 parlamentarische Initiativen, 15 Interpellationen und 4 Postulate. Es ergeben sich drei Schwerpunkte.
- Wirtschaft, Finanzplatz und Steuern.
- Im März 2026 reichte sie fünf Motionen zur Finanzmarktaufsicht Finma ein. Sie verlangt unter anderem einen Finma-Verwaltungsrat mit Branchenerfahrung (26.3312), Prävention statt Repression (26.3314) und kein «naming and shaming» vor rechtskräftiger Verfügung (26.3316).
- Weitere Themen sind Covid-Härtefallhilfen, die steuerliche Behandlung von Ferienguthaben (25.3189) und die Steuerbefreiung der AHV-Renten (24.406).
- Im September 2026 verlangte sie in der ausserordentlichen Session «EU und Asyl» (26.9020), dass der Bundesrat eine EU-Änderung bei der Arbeitslosenentschädigung für Grenzgänger ablehnt. Sie nannte dafür Mehrkosten von 600 bis 900 Millionen Franken pro Jahr (Schätzung des Seco).
- Gewalt gegen Frauen und Opferschutz.
- Sie reichte mehrere parlamentarische Initiativen ein, etwa 23.480 und 22.409 zur elektronischen Fussfessel.
- 23.479 zielte darauf, dass die Dauer einer Vergewaltigung nie strafmildernd wirkt. Im Dezember 2025 zog sie diese Initiative zurück, weil das Bundesgericht seine Praxis korrigiert hatte.
- Ältere Voten verknüpfen das Thema mit Migration und Personenfreizügigkeit (2019).
- Gesundheit, Sozialversicherungen und Jugendschutz.
- Sie fordert eine Qualitätstransparenz bei Leistungserbringern (24.4187).
- Weitere Vorstösse betreffen Jugendschutz vor Algorithmen (25.4763) und KI-generierten intimen Bildern (26.3955), die Medizinisch unterstützte Fortpflanzung für alleinstehende Frauen (25.419) sowie Brustkrebs und Mastektomie (24.3977).
- Neu hat sie eine Reihe von Landwirtschaftsmotionen zu Hülsenfrüchten eingereicht, zum Beispiel 26.3961.
Positionen in den Debatten
- Neutralität: Am 4. März 2026 sprach sie für die Neutralitätsinitiative (24.092). Sie verstand Neutralität als «ganz oder gar nicht», gestützt auf eine glaubwürdige Verteidigung und Diplomatie.
- EU: Sie vertritt eine harte Linie bei Kosten und Souveränität. Der Bundesrat solle zuerst die Interessen der Schweiz verteidigen und keine «Kalender und Modalitäten» liefern.
- Energie: In der Debatte zur Blackout-Initiative (25.068) trat sie für die Kernenergie ein. Das Neubauverbot nannte sie ein Hindernis. Das Klimagesetz respektiere sie, doch ohne zusätzliche Stromproduktion sei der Ausstieg aus den fossilen Energien «eine Sackgasse».
- Steuern und Finanzen: Die SVP wolle generell tiefere Mehrwertsteuern. Sie warnt davor, die Mehrwertsteuer zur Standardlösung für alle Ausgabenwünsche zu machen, etwa bei der Armee oder der AHV. Beim Sondersatz für Beherbergung (26.026) war sie Kommissionssprecherin und trug die Mehrheit mit. Persönlich sagte sie, sie unterstütze das auch für andere Branchen.
- Gesundheitspolitik: Als Fraktionssprecherin lehnte sie beim Pflegegesetz (25.054) starre Vorgaben zu Arbeitszeiten, Zuschlägen, neuen Kommissionen und höheren Sanktionen ab. Sie wollte Flexibilität, Kostenkontrolle und Spielraum für Sozialpartner und private Kliniken. Bei den Prämien tritt sie für Kostenkontrolle ein. Als SGK-Sprecherin vertrat sie die Motion zur Kostensteuerung auch bei den «Amtstarifen» im KVG (25.3637).
- AHV: Als Sprecherin der Kommission vertrat sie, dass die Steuermehreinnahmen der Kantone aus der 13. AHV-Rente an die AHV gehen sollen (26.3518).
Ihr Profil ist nicht reiner SVP-Standard. Die Motion zu Gaza fordert vom Bundesrat eine dringliche UNO-Resolution für humanitären Zugang. Der Bundesrat beantragt dazu Annahme. Dazu kommen ihre Initiativen für Frauen- und Opferschutz, die in der Kommission wenig Unterstützung fanden.
Grenzen
- Bei den Vorstössen zeigt die Datenbank nur, dass 4 von 17 Motionen seit Dezember 2023 «erledigt» sind. Ob sie angenommen oder abgelehnt wurden, geht daraus nicht hervor.
- Parteiämter, Bundesratskandidaturen, Medienberichte und das Departementsprofil sind in den Daten nicht abgebildet.